
Das operative Tagesgeschäft abgeben - keine leichte Aufgabe
Das operative Tagesgeschäft abgeben – manchmal eine der schwersten Aufgaben für Soloselbständige und Chefs. Aber warum ist das so?
1. Das operative Tagesgeschäft ist meine Aufgabe - wie alles andere auch!
Insbesondere junge Gründer glauben, sie müssen alles alleine schaffen. Mit Weisheiten wie „selbständig heißt selbst und ständig“ wird suggeriert: Alle Aufgaben sind von dir zu bewältigen – dazu gehört natürlich auch das operative Tagesgeschäft. Aber auch alte Hasen sind davor nicht gefeit, immer wieder die Aufgaben, die eigentlich bereits delegiert sind, zu prüfen.
Wie war das mit dem Post für morgen auf Instagram?
Wurde die E-Mail des Kunden Maier bereits beantwortet?
Sollte ich die Geschäftsreise nicht lieber selber planen?
Was war noch mit den Flyern – ich rufe da lieber selbst noch einmal an.

Solche oder ähnliche Gedanken rasen womöglich ständig durch deinen Kopf und schon bist du wieder mittendrin im operativen Tagesgeschäft.
Oftmals fühlst du dich sogar gut dabei: Du hast viel erledigt, arbeitest zwölf bis vierzehn Stunden am Tag und hast viele Aufgaben bewältigt.
Falsch
Deine Aufgabe ist es, dein Unternehmen zu führen. Dazu gehören strategische Entscheidungen, eine detaillierte Kalkulation und Planung sowie Aufgaben, die das Vorankommen deines Unternehmens direkt beeinflussen. All die kleinen Tätigkeiten im operativen Tagesgeschäft zählen nicht dazu.
Ja, es fühlt sich gut an, all diese Aufgaben zu erledigen und damit quantitativ viel geleistet zu haben. Aber was zählt ist die Qualität deiner Arbeit.
Während du einen strategischen Plan für das nächste Jahr entwickeln solltest oder einen neuen Großkunden an Land ziehen könntest, beschäftigst du dich mit Terminbuchungen für die Geschäftsreise in drei Wochen.
Aber beschäftigen wir uns nur mit dem operativen Tagesgeschäft, weil wir damit unseren Stunden füllen?
2. Warum das operative Tagesgeschäft eine willkommene Abwechslung ist
Nein, viele füllen damit nicht nur ihren Kalender, sondern flüchten vor der ein oder anderen wichtigen Aufgabe. Die Beschwerde eines verärgerten Kunden, das Gespräch mit der Bank – das sind oft keine Angenehmen Aufgaben. Und du bist dir über die Tragweite deiner Handlungen in diesem Bereich sicherlich bewusst. Also nimmst du dich vielleicht deshalb gelegentlich lieber leichteren Aufgaben an? Sie sind kurzweilig, gelegentlich interessanter und bringen schnelle Anerkennung mit sich.
Alle komplexen Themen benötigen viel Zeit und ein hohes Maß an Konzentration. Und dennoch wird diese Arbeit fot als selbstverständlich vorausgesetzt und bleibt häufig nicht ohne Kritik. Also lieber rein ins operative Tagesgeschäft und ein freundliches Telefonat führen, in dem der Kunde dir seinen Dank entgegen bringt.
Die Kehrseite: Diese kleinen Ablenkungen bremsen dich aus, denn sie nehmen dir die Zeit für alle relevanten Entscheidungen. Je mehr Zeit du im operativen Tagesgeschäft verbringst, desto langsamer wächst dein Unternehmen.
3. Ohne mich geht es nicht
Du bist der Kopf des Unternehmens, du musst präsent sein – immer. Denn ohne dich bricht alles zusammen. Und wer weiß, ob die anderen das so gut machen wie du. Es ist häufig mit deiner Erwartung an dich selbst verknüpft, perfekt zu sein und dein Unternehmen komplett alleine bewältigen zu müssen.
Für dich gibt es keinen richtigen Urlaub und keine Pause, du musst immer da sein – zumindest mental.
Tut dir das gut – nein. Ist das nötig – nein.
Denn die Welt wird nicht untergehen, wenn du nicht alle Aufgaben selbst erledigst. Und jetzt kommt der Dolchstoß fürs Ego: Manchmal erledigen diejenigen, an die du diese Aufgaben delegierst nicht nur genauso gut wie du, sondern besser.
Dieses Eingeständnis ist nicht leicht, aber dennoch: Es gibt Aufgaben, in denen sind andere Personen – auch solche die für dich arbeiten – besser als du.
Vielleicht bearbeiten sie die Aufgaben des operativen Tagesgeschäfts schneller und routinierter als du. Oder entwickeln eine gute Struktur und Abläufe für diese Tätigkeiten.
Und nun noch die letzte Erkenntnis für dich persönlich: Gönnst du dir keine Auszeit und verlierst dich in diesen Aufgaben geht dir die Energie aus. Es gibt einen Grund, warum Selbständige häufig ausbrennen – sie planen keine Zeiten ein, in denen sie abschalten.
Dir die Zeit für dich zu nehmen, um deine Energiereserven wieder aufzutanken, ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe, wenn du selbständig bist.
Fassen wir also zusammen:
5 Gründe, warum du aus dem operativen Tagesgeschäft aussteigen solltest:
- Die Aufgaben des Tagesgeschäfts bremsen dich aus und folglich auch dein Unternehmen.
- Das operative Tagesgeschäft lenkt von unangenehmen aber wichtigen Entscheidungen ab.
- Du erledigst Aufgaben, die andere schneller und besser erledigen können.
- Du verlierst den Überblick und verzettelst dich in deinen Aufgaben.
- Zeit für dich ist nicht vorhanden und du tankst keine neue Energie, die du in dein Unternehmen einfließen lassen kannst.
5 Exitstrategien:
- Mache dir bewusst, welche Aufgaben für dich und dein Unternehmen wichtig sind. Nimm hierzu gerne die Eisenhower-Matrix zu Hilfe.
- Stelle einen klaren Zeitplan auf: Gib‘ die Aufgaben gerne Stück für Stück ab, aber mit einer klaren Strategie.
- Hinterfrage deine Denkmuster. Warum glaubst du, du müsstest das operative Tagesgeschäft übernehmen?
- Arbeite im Team: Niemand kann oder muss alles alleine bewältigen.
-
Plane klare Pausen ein. So hast du langfristig genug Energie, um dein Unternehmen erfolgreich zu führen.
Ganz zum Schluss:
Dir fehlt schlicht das nötige Budget für eine solche Unterstützung im operativen Tagesgeschäft? Dann überlege dir, welche Aufgaben du ganz dringend abgeben möchtest und wie viel Budget du hast (und sei es auch noch so klein).
Die Zusammenarbeit mit anderen Selbständigen – zum Beispiel einer virtuellen Assistentin wie mir – erlaubt dir viel Flexibilität und Freiraum. Freiraum für deine wichtigen Projekte und für das Wachstum deines Unternehmens.